Andrea von Braun Stiftung
voneinander wissen

Einführung in die Philosophie des Tanzes

Mónica Alarcón


Der Artikel "Einführung in die Philosophie des Tanzes" ist entnommen aus der Publikation "Denkfestival: eine interdisziplinäre Reflektion des Tanzes", erschienen im Herbst 2006 im Verlag "Fördergemeinschaft wissenschaftlicher Publikationen von Frauen e.V.", Freiburg.

ISBN-10 3-939348-07-4
ISBN-13 978-939348-07-8

Die Publikation wurde gefördert von der Andrea von Braun Stiftung.

Das Denkfestival fand vom 23. bis 25. März 2006 im Rahmen des Studium Generale der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg statt.

Leiblichkeit ist kein modernes Thema, sondern hat philosophiegeschichtlich Tradition. Dennoch stellt das Thema ein bis heute aktuelles Problem dar, gerade wenn man sich die modernen Debatten zum Leib-Seele-Problem (etwa in der Medizinethik, bei der ästhetischen Wahrnehmung oder unter dem Gesichtspunkt zeitgenössischer Subjekttheorien) vor Augen führt. Die Frage, wie und ob Leiblichkeit denn zu denken sei, ob der Leib denn von der Ordnung des Denkbaren ist, oder ob er nicht vielmehr etwas Erlebbares, Empfindbares und Spürbares darstellt, wird von zeitgenössischen Autoren erneut vehement gestellt. Die Frage, "wie kann das Emfindend-Empfindbare auch Denken sein?" stellt bereits Merleau-Ponty. In einem weiteren Schritt geht es uns nun darum, zu fragen: Wie kann das Empfindend-Empfindbare (Leib; Selbst) Philosophie oder zumindest philosophisch denkbar sein? Ist die These haltbar, dass der Tanz uns darauf eine Antwort geben könnte?
Mit dieser Frage wollen wir uns in unserem Denkfestival auseinandersetzen, und dabei eine Begegnung von Tänzern, Literaturwissenschaftlern und Philosophen anstreben. Von Seiten der Tanzforschung gibt uns u.a. Rudolf von Laban eine Definition des Tänzers, die sowohl für Tanzschaffende als auch für Tanztheoretiker interessant ist: Der Tänzer "ist jener Mensch, der klaren Verstand, tiefes Empfinden und starkes Wollen zu einem harmonisch ausgeglichenen und in den Wechselbeziehungen seiner Teile dennoch beweglichen Ganzen bewusst zu verweben trachtet". Die darin entworfene Subjekttheorie überwindet den klassischen Dualismus von Denken und Körper, und beschreibt das tanzende Subjekt als eine dynamische Einheit. Deshalb geht uns eben nicht nur darum, über den Tanz nachzudenken, sondern wir wollen auch diskutieren und erproben, ob der Tanz selbst eine Art des Denkens (Körper-Denken) ist.
Die Tanzwissenschaft hat sich in den Theaterwissenschaften, der Germanistik und der Soziologie in den deutschsprachigen Universitäten inzwischen mit dafür eingerichteten Lehrstühlen durchgesetzt. In der Philosophie wurde dem Tanz bisher kaum Aufmerksamkeit gewidmet. Unser Projekt soll die tanzphilosophische Arbeit fördern. Tanz und Philosophie werden hier zu "Partnern im Denken".

Kurzvita der Herausgeberinnen:

Mónica Alarcón
Tanzphilosophin. Studium der Philosophie in Chile, Valparaiso. Mitglied verschiedene Tanzgruppen in Chile und Brasil. 2003 Magister an der Albert-Ludwigs Universität in Freiburg: "Die Ordnung des Leibes. Eine tanzphilosophische Betrachtung über Leib, Körper und Raum". Die korrigierte Fassung der Arbeit wird demnächst als Dissertation erscheinen. Zur Zeit gibt sie Seminaren über Tanzphilosophie in Deutschland, in der Schweiz und Südamerika, arbeitet in interkulturellen Projekten mit der Methode der "Educación Popular" und organisiert interkulturelle- Interdisziplinären Projekte. Seit Juli 2006. Dramaturgin des Tanzprojektes "Schattenland. Probability calculos" vom M. Langeneckert.

Miriam Fischer
Studium der Romanistik und der Philosophie in Freiburg und Barcelona. 2004/2005 Mitglied im Graduiertenkolleg "Zeiterfahrung und ästhetische Wahrnehmung" an der Johann Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seit 2005 Doktorandin der Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Dissertation mit dem Arbeitstitel "Vom Sinn der Sinnlichkeit: Leiblichkeit bei Descartes, Merleau-Ponty und Nancy". Veröffentlichung der Magisterarbeit "DAS UNDENKBARE DENKEN: Zum Verhältnis von Sprache und Tod in der Philosophie Maurice Blanchots" beim fwpf-Verlag Freiburg 2006. Eigene Tanzerfahrung in Zeitgenössischem Tanz, Ballett, New Dance, Contact Improvisation und Tango Argentino. Tanz- und Theaterprojekte.