Andrea von Braun Stiftung
voneinander wissen

Zum Stand der Interdisziplinarität in Deutschland

Helga Schubert, Christoph-Friedrich v. Braun


Die deutsche Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturlandschaft ist durch eine strenge Aufteilung in Disziplinen und Fachgebiete gekennzeichnet. Disziplinen waren und sind wichtig für die Ordnung von Wissen und Ausbildungsplänen. Die übereifrige und strenge Beachtung von Disziplingrenzen verhindert jedoch entscheidende Verbesserungs- und Erkenntnispotenziale. Aus guter Absicht im Einzelnen entsteht so Schaden für das Ganze.

Die Problemstellungen der modernen Welt sind mit disziplinären Kenntnissen und Methoden nicht mehr zu bewältigen. Flexibilität im Denken und interdisziplinäre Kompetenz erhalten entsprechend größeren Stellenwert. Wichtige Erkenntnisse und Innovationen können nicht mehr durch einzelne Fachgebiete oder durch eng fokussierte "Experten" abgedeckt werden. Wirkliche Interdisziplinarität überwindet ohne Qualitätsverzicht nicht nur die Grenzen zwischen den Wissenschaften, sondern auch die zwischen Wissenschaft und "Nicht-Wissenschaft".

Wichtige Fragestellungen und deren Bearbeitung dürfen nicht mehr das Monopol fachlich orientierter Expertenrunden sein, bei denen Interdisziplinarität nur auf dem Papier steht. Sie müssen Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur miteinbeziehen und durch Kenntnisse und Erfahrungen aus anderen Lebensbereichen (Handwerk, Kultur, Familie, ...) ergänzt werden. Ein Archäologe muss ein Unternehmen führen und ein begabter Volkswirt bei den Symphonikern spielen dürfen. Nur so entstehen entscheidende Verbesserungen und gelegentlich auch überraschende Quantensprünge.

Unsere Gesellschaft ist nur noch wenig durch klare Grenzlinien gekennzeichnet. Arbeitnehmer sind Aktionäre, Bildung und soziale Stellung sind nicht mehr schichtenspezifisch, Frauen nehmen Männerberufe und Männer Frauenberufe wahr. Gefragt sind neue Ansätze. Eine Gesellschaft, die sich selbst als "Wissensgesellschaft" sieht, darf daher nicht an Mauern festhalten, die der Verwirklichung des eigenen Anspruchs im Wege stehen.

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