Andrea von Braun Stiftung
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Frog tales – on poison dart frogs, epibatidine, and the sharing of biodiversity

Klaus Angerer


Das stark toxische Alkaloid Epibatidin ist ursprünglich in den 1970-er Jahren aus dem Hautdrüsensekret eines kleinen Pfeilgiftfrosches (Epipedobates anthonyi) aus Ecuador gewonnen worden. Heutzutage spielt Epibaditin eine große Rolle bei der Suche nach neuartigen Schmerzmitteln und mehrere davon abgeleitete Substanzen sind vielversprechende Wirkstoffkandidaten in der pharmazeutischen Forschung. Diese potenziellen Erfolgsaussichten haben jedoch auch für Spannungen zwischen Ecuador und den an Epibatidinderivaten forschenden pharmazeutischen Unternehmen geführt, da diesen vorgeworfen wird, das Wissen indigener Gemeinschaften um die Wirkungen des Froschgifts ohne die erforderlichen Genehmigungen ausgenutzt zu haben. Allerdings kann dieser Fall wohl nicht als Biopiraterie angesehen werden, unter anderem deshalb, weil die Frösche lange vor Inkrafttreten der entsprechenden Bestimmungen der Convention on Biological Diversity (CBD) gesammelt worden sind. Zugleich lässt sich an der Geschichte der Erforschung des Froschgifts auch zeigen, wie schwer es ist, überhaupt mit Sicherheit feststellen zu können, ob bei der Suche nach biologischen Materialien traditionelles Wissen genutzt worden ist, nicht zuletzt aufgrund allgemeiner Schwierigkeiten bei der Anwendung der Access & Benefit-Sharing-Richtlinien der CBD in der pharmazeutischen Forschung. Schließlich sind epistemische Objekte in der Forschung meist instabil und Veränderungsprozessen unterworfen, ganz im Gegensatz zu den eher statischen Vorgaben der CBD und des Patentrechts.

In dem Artikel wird sowohl auf veröffentlichte Literatur (vor allem in pharmazeutischen und biologischen Zeitschriften) als auch auf in Ecuador durchgeführte Feldforschung zurückgegriffen. Der Artikel ist erschienen in der Zeitschrift Innovation: The European Journal of Social Sciences, 24(3), September 2011, pp. 353-369, © 2011 Copyright Taylor & Francis, und ist online verfügbar unter: dx.doi.org/10.1080/13511610.2011.592061. Eine vollständige Postprint-Version des Artikels kann hier als pdf heruntergeladen werden.