Andrea von Braun Stiftung
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| Forschungsreise

„Tracking in Caves – The Homecoming“

Dr. Tilman Lenssen-Erz


Wir stapfen nur noch selten barfuß durch Schlamm und Lehm. Auf dem Asphalt unserer Städte hinterlassen wir keine sichtbaren Spuren mehr und haben es folglich verlernt, darin zu lesen. Schließlich hängt der Fortbestand von Industrienationen nicht davon ab. Das sieht bei den letzten Jäger- und Sammlergesellschaften im südlichen Afrika ganz anders aus. Für die Buschleute, auch San genannt, ist die Fähigkeit, Tierfährten oder menschliche Fußabdrücke zu interpretieren, noch immer von existenzieller Bedeutung. Ohne dieses Wissen hätten sie in der harten, wasserarmen Umwelt der Kalahari-Wüste im Nordosten Namibias nicht überlebt.
Ein Filmteam begleitet ein einzigartiges archäologisches Experiment von Anfang an und exklusiv. Im seinem Mittelpunkt stehen Spuren, die Menschen vor rund 17.000 Jahren am Boden einiger Bilderhöhlen im Südwesten Frankreichs hinterlassen haben: die Abdrücke nackter Füße, von Fersen, Zehen, einer aufgestützten Hand. Anders als die Höhlenkunst, die sich, demonstrativ an den Wänden platziert, über viele Jahrtausende hinweg erhalten hat, wurden solche beiläufigen Beweise prähistorischer Anwesenheit von den nachfolgenden Besuchern meist achtlos übergangen oder durch eindringendes Wasser zerstört. Nur ganz wenige sind intakt geblieben, in abgelegenen Nischen oder einem schwer zugänglichen Höhlenraum. Ein seltener Glücksfall für die Archäologie.
Doch wie bringt man diese stummen Zeugnisse der frühen Menschheit zum Sprechen? Die beiden Kölner Prähistoriker Tilman Lenssen-Erz und Andreas Pastoors hatten die zündende Idee: Was liegt näher, als den Erfahrungsschatz einer uralten Kultur zu nutzen, für die das Lesen in Spuren noch zum alltäglichen Leben gehört? Also geben sich die beiden Wissenschaftler nicht allein mit den Forschungsergebnissen der westlichen Welt zufrieden. Sie suchen Unterstützung bei den Buschleuten, den besten Fährtenlesern der Erde.