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Sprache und Kognition. Diskurspragmatik und Textverarbeitung bei Exekutivstörungen

Dr. phil. Julia Büttner


Der vorliegende Band behandelt die Schnittstelle von Kognition und Sprache in der Text- und Diskursverarbeitung. Im Zentrum steht ein neu entwickeltes Diagnostik- und Therapieverfahren für neurologische Kommunikationsstörungen. Zusätzlich zur hohen Relevanz für die Praxis erlaubt „Sprache und Kognition“ auch ein vertieftes Verständnis des menschlichen Sinnverstehens. Unter interdisziplinärer Perspektive wird auf die modelltheoretische Verortung der Text- und Diskursverarbeitung eingegangen. Das Screeningverfahren Makro steht zur Anwendung für die Praxis online zu Verfügung. Es enthält die Testbeschreibung, Hinweise zur Durchführung und Protokollbögen und liegt auch als kon­trollierte Parallelversion vor.

Sprache verhilft uns, unsere Handlungen zu strukturieren und über unser Handeln zu reflektieren. Sprachsystematische und kognitive Faktoren greifen dabei im Prozess der Verarbeitung von größeren Bedeutungsstrukturen ineinander und bedingen sich gegenseitig. Dieses Zusammenspiel von Sprache und Kognition kann jedoch durch eine Hirnschädigung empfindlich gestört werden. Verletzungen nach Schädelhirntrauma, in frontalen oder rechtshemisphärischen Hirnstrukturen können zu Auffälligkeiten im Diskursverhalten und zu Schwierigkeiten im Verstehen und Produzieren von Texten führen. Häufig fehlt den Betroffenen auch ein Störungsbewusstsein für ihre kommunikativen Beeinträchtigungen. Ziel des Dissertationsprojektes war es deshalb, ein Diagnostikverfahren für die Untersuchung der Diskurspragmatik und Textverarbeitung zu entwickeln. In umfangreichen statistischen Analysen wurden die Parameter dieser Testkonstruktion mit kognitiven Teilleistungen des Arbeitsgedächtnis, der Handlungsplanung und der Wortflüssigkeit in Beziehung gesetzt. Im deutschsprachigen Raum ist das Verfahren innovativ, denn es ermöglicht die Erstellung eines umfassenden Leistungsprofils und die Ableitung von Therapiezielen. Auch ein individuell ausgerichteter Therapieansatz konnte in einer dreiwöchigen Testphase als positiv evaluiert werden.