Andrea von Braun Stiftung
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| Dissertation

Neurostimulationskultur. Die Tiefe-Hirnstimulation zwischen Kulturtechniken und experimenteller Gestaltung

Dipl. KuWi Monika Kalmbach-Özdem


Die Medizintechnik Tiefe-Hirnstimulation ist nicht nur als naturwissenschaftlich-technisches Produkt zu sehen, sondern vor allem auch als kultur-technische Leistung mit historischen Wurzeln. Hierüber lässt sich der Mensch als verknüpf-, einstell- und gestaltbare Entität im Rahmen eutoper Welt- und Technikbilder sowie deterministischer Menschenbilder darstellen. Mit der Integration der technischen Elemente in den menschlichen Körper verschieben wir die Grenzverläufe zwischen biologischen und artifiziellen Entitäten. Sowohl die Hardware-Software-Relationen als auch die Körper-Geist-Relationen unterliegen dabei Verknüpfungs- und Gestaltungsprozessen. Aus der Interaktion zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Handlungsteilnehmern resultieren neuartige Wechselbeziehungen. Innerhalb eines Vergesellschaftungsprozesses müssen diese Handlungsgefüge überdacht und neuverteilt werden. Dies ist notwendig, da im „Möglichsein“ von Gehirn-Computer-Schnittstellen zugleich therapeutische als auch nicht-therapeutische Nutzungsmöglichkeiten liegen, deren Potential langfristig neue Kulturstandards setzten werden.