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Jenseits der Disziplin(en): Berauschte Grenzfiguren und der Versuch ihrer Rekonstruktion

Dr. Robert Feustel


Ob Rauscherfahrungen gut oder schlecht sind, wird viel diskutiert. Was es jedoch heißt, „berauscht“ zu sein, spielt zumeist keine Rolle – es scheint immer schon klar. Ein Blick in die Kulturgeschichte des Rauschs zeigt: Es gibt keinen echten oder authentischen Rausch. Der Rausch kann viele Gesichter haben.
Drogenerfahrungen gelten als bedeutsamer Ausdruck verwirrter oder erleuchteter Seelen, als basale Sinnestäuschung eines „angebrannten Gehirns“, als Möglichkeitsbedingung absoluter Selbsterkenntnis oder als Modus, das „Unaussprechliche“ auszusprechen. Von Drogen provozierte Grenzüberschreitungen sind also substantiell unterschiedlich. Die üblicherweise angenommene Authentizität der Erfahrung erodiert im Moment des historischen Vergleichs, und Rausch zeigt sich als Konzept oder „epistemisches Ding“, das erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts das Licht der Welt erblickte.